Raghunatha Stocker - Gurukula-Schüler


Hare Krishna Schulkind berichted über den sexuellen Mißbrauch in der Bewegung



Offener Brief an die ISKCON-Führer
von einem ehemaligen Gurukula-Schüler

Dies ist die deutsche Übersetzung vom englischen Originalbrief
auf der Seite 
http://www.vnn.org/editorials/ET9909/ET26-4805.html

VON RAGHUNATHA STOCKER


September 26,1999 — Liebe Führer der ISKCON,

kürzlich gingen mir durch das Gerede um vergangenen Mißbrauch einige Fragen und Zweifel durch den Kopf. Seit diesen Zweifeln, die euch selbst betreffen, denke ich, daß wenigstens einer oder einige von euch in der Lage sein sollten, sie für mich zu klären. Andernfalls kann ich nicht anders als den gegenwärtigen Stand und das gesamte Bewußtsein der ISKCON als weit entfernt von den Wünschen und Lehren Srila Prabhupadas zu betrachten.

 

Iskcon Schulkinder
Iskcon Kinder im Bhaktivedanta Gurukul-Internat in Brindaban, India

Bitte erlaubt mir zunächst, daß ich mich vorstelle. Mein Name ist Raghunatha. Ich wurde 1975 in die ISKCON Deutschland geboren. Von 1980 bis 1985 wurde ich in die Gurukula nach Indien, Vrindavan geschickt im Alter von 5 bis 10 Jahren.

Man kann mich grundsätzlich für einen Modellfall für den ganzen Mißbrauch halten, der dort stattfand. Und ich kann euch versichern, daß alles, was ihr auf der VOICE website gehört oder gelesen habt, definitiv keine Übertreibung ist. Nachdem ich ein Jahr lang nicht ein Wort gesprochen hatte, schickte mich die Gurukula endlich nach Hause.

Ich kann nicht mit der Erklärung des psychologischen Schadens beginnen, den diese Erfahrung verursachte
, aber ich kann sagen, wo es mich erfaßte. Nach dieser Erfahrung hatte ich starke Zweifel bei autoritären Personen, besonders in der Schule, und deshalb habe ich keine abgeschlossene Schulausbildung. Ich verbrachte meine Jugend mit Drogen und schnitt mir die Arme mit Rasierklingen auf.

Am Ende lebte ich auf der Straße, spritzte Drogen und ernährte mich von Abfällen. Ich hatte absolut keinen Lebenswillen mehr und wartete nur auf eine Überdosis, erschossen zu werden oder auf sonst etwas Aufregendes. Doch während ich so gefährlich lebte, spürte ich greifbar wie Krishna mich mehrere Male am Rand des Todes errettete.

Dadurch begann ich wieder zu glauben und begann sogar zu chanten. Bald begann ich wieder mit dem Lesen der Bücher. An einem Punkt dämmerte es schließlich bei mir, daß die gemachte Erfahrung nichts zu tun hatte mit Srila Prabhupada und den Lehren der Bewegung. Ich konnte schließlich akzeptieren, daß alles, was passiert war, von einzelnen Personen verursacht wurde, die von den Lehren abgeschweift waren. Das gab mir Enthusiasmus und so schloß ich mich im Sommer 1995 dem Tempel in Deutschland an. Ich stellte mir vor, daß alles in der Vergangenheit geschehen war und es wurde zur vergessen Geschichte. Und war es nicht Vaisnava-Art zu vergeben, besonders denjenigen, die sich an einem persönlich vergangen haben. So diente ich die nächsten 4 Jahre bei der deutschen "Travelling Sankirtan Party". (Anm. d. Übersetzerin: Buchverkauf ohne festen Standort, Leben im Bus über einen längeren Zeitraum.)

Doch traurigerweise schien es immer mehr und mehr, daß die alte Stimmung von ISKCON noch umherschlich. Und nach einiger Erfahrung mit der Leitung von ISKCON fühle ich mich zum Sprechen verpflichtet.

Meine ersten Bedenken habe ich gegen einen gewissen Satadhanya. Diese Person gab vor ein Sannyasi zu sein und wurde bei der Mißhandlung von Kindern in Mayapur erwischt, damals zur gleichen Zeit wie Bhavananda. Nun lautet meine Frage: Warum lebt diese Person in Mayapur mit einem Gehalt von ISKCON? Ich erfuhr auch den Grund.
Offenbar hatte er so gute Beziehungen zu den örtlichen Obrigkeiten und wurde daher als unentbehrlich angesehen. In der Tat scheint er für die ISKCON so wertvoll zu sein, daß er sie vor Gericht in der Ritvik-Sache vertritt. [Anm. d. Üb.: Bei der Ritvik-Sache geht es um Streitpunkte in der Rechtmäßigkeit der Nachfolge-Gurus.]

Ist das wahr? Tatsächlich scheint er so viel Wohlwollen durch den Tempel zu genießen, daß er zum Mayapur-Festival für die Devotees Pizza herstellte. Maha Prasad Ki Jai!
[Anm.d.Üb.: Maha Prasad bedeutet die Speise, die in den Opfergefäßen zu Krishna geopfert wird. Sie ist noch nicht mit dem übrigen Essen vermischt. Das Maha-Prasad bekam in der Regel der Guru serviert. "Ki Jai" ist ein freudiger Ausruf]
[ Also etwa ironisch "Prost Mahlzeit!" - Red.]

Meine Frage lautet nun, was denkt ihr, wie sich ein Mißbrauch-Opfer dabei fühlt? Denkt zurück an den 12. Dezember 1998, als sich ein ehemaliger Gurukula - Schüler von der Broadway-Brücke in Portland Oregon stürzte. Zu der Zeit lebte ich dort im Tempel. Ich hatte keine Chance mit ihm zu sprechen. Es ist traurig wenn man bedenkt, daß er wahrscheinlich alle Samskaras erhalten hatte. Und wäre er nicht durch eine so drastisch traumatische Kindheit gegangen, hätte er sein Geburtsrecht zur Hilfe für diese Welt verwirklichen können.

Das bringt mich zu meiner nächsten Frage. Warum macht der GBC es sich nicht zu seiner vordringlichsten Aufgabe sich um die Kinder zu kümmern? Sind nicht die Kinder die Blumen einer Gesellschaft? Und wie alle Blumen benötigen sie gute Pflege und erstklassige Behandlung. Besonders im Kleinkindalter. Man hat sich darum zu kümmern wie gute Gärtner, die für Dünger, Wasser und Licht sorgen. Dinge wie Vergewaltigung, Schläge und Hunger fördern nicht das Wachstum eines Kindes.

Meiner Meinung nach erkennt eine Person automatisch Krist, in Deutschland habe es keine Krishna-Schulen gegeben.
- Hat aber jemand nachgeprüft, wieviele deutsche Kinder in die ISKCON-Schulen in den USA (und anderen Ländern) gingen?
- Hat jemand nachgeprüft, wieviele Deutsche unter den Tätern waren?
- Wer stellt sicher, daß Täter und Opfer sich nicht in Deutschland an einem kirchlich oder staatlich gesponserten runden Tisch ungewollt begegnen?
- Wer weiß, wieviele deutsche Kinder heute in ISKCON-Schulen in den USA (und anderen Ländern, auch solche im Osten) gehen?"

Ein deutscher ehemaliger Gurukula-Schüler hat sich jetzt im Internet zu Worte gemeldet.
Sein offener Brief "Open Letter To The Leaders Of Iskcon. From An Ex-gurukuli"
ist zu finden unter Vaisnava News, 26. September 1999
auf  http://www.vnn.org/editorials/ET9909/ET26-4805.html ,
einer Internet-Seite von Krishnaanhängern, die in Opposition zur offiziellen ISKCON stehen.

Der BERLINER DIALOG dankt Frau Ursula Zöpel, die freundlicherweise die Übersetzung besorgte.


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Chant Hare Krishna and be happy!
All glories to His Divine Grace A.C.Bhaktivedanta Swami Prabhupada!